
date/time: 15.08.2005 17:25
http://vsa-aas.org/Schweizer-Geistliche-Archive.264.0.html
Die Landschaft der geistlichen Archive in der Schweiz ist vielfältig und reich. Die geistlichen Archive sind sehr wertvolle Kulturgüter und Datenträger. Sie haben je nach Struktur und Konstitution der Kirchen in der Schweiz unterschiedlichen Öffentlichkeitscharakter. Sie sind Gedächtnisse kirchlicher Kultur und vermitteln darüber hinaus grundlegende Informationen zum Kulturleben von Staat und Kirche in der Vergangenheit.
Im Bereich der römisch-katholischen Kirche kennt man Diözesanarchive, Archive von monastischen und mendikantischen Orden, Archive von Kongregationen und Missionsgesellschaften sowie Pfarrarchive und Archive ehemaliger Abteien und Bettelordensklöster.
Hinzu kommen geistliche Archive derjenigen Konfessionen wie der reformierten Kirchen, deren Aufbau im Unterschied zur katholischen Kirche keine übergreifenden Hierarchien kennen.
Umfang und Bestände der geistlichen Archive sind sehr unterschiedlich. Es bestehen bei den monastischen Orden Archive, die eine Kontinuität von bis zu 1'200 Jahren oder mehr haben. Sie weisen entweder einen abgeschlossenen Gesamtbestand auf, das heisst, sie haben keine Neueingänge von Archivalien mehr wie zum Beispiel das Stiftsarchiv der ehemaligen Benediktinerabtei St.Gallen, oder reichen weiter bis in die Gegenwart hinein wie zum Beispiel das Stiftsarchiv der Benediktinerabtei Einsiedeln. Das Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner in Luzern ist ein typisches Archiv eines mendikantischen Ordens mit dem Charakter eines "Dachverbandes", bestehend seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert.
Junge Archive mit 100- bis 200-jähriger Geschichte führen die Schwestern-Institute Ingenbohl, Menzingen und Baldegg mit zum Teil weltweitem Charakter. Dazu gehört auch das evangelische Basler Missionsarchiv, das mit der Gründung der Basler Missionsgesellschaft 1815 eingerichtet worden ist.
Diözesanarchive haben, sofern die Diözesen in der Vergangenheit in ihren Grundstrukturen nie erschüttert worden sind, zum Teil flächendeckende Funktionen kirchlichen Lebens bis hinunter auf Pfarreiebenen. Zugleich sind Pfarrarchive je nach der rechtlichen Situation einer Landes- oder Ortskirche als unabhängige Archive gegenüber den Diözesen anzusehen. Unabhängig sind gewissermassen Privatarchive katholischer Verbände.
Auf der Ebene der geistlichen Archive sind auch die Staatsarchive zu beachten. Das Staatsarchiv des Kantons Luzern z.B. ist mit seiner Abteilung geistlicher Archive tätig, zum Teil in Zusammenarbeit mit der Landeskirche Luzern.
Innerhalb des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare besteht seit Januar 1997 eine Arbeitsgruppe Geistliche Archive, die auf interkonfessioneller Basis den Dialog und die Zusammenarbeit unter den geistlichen Archiven in der Schweiz pflegt.
last update: 15.08.2005last edited: 15.08.2005
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