
date/time: 15.08.2005 17:15
http://www.vsa-aas.org/Sigg-Archive-der-Kantone.261.0.html
Die Archive der 26 Kantone und Halbkantone bilden das Grundnetz der föderalistisch bestimmten Überlieferung in der Schweiz. Die Archive der 13 alten Orte belegen die Geschichte der vor 1798 politisch tragenden Stände, dokumentieren die Beziehungen dieser Stände untereinander sowie zu Zugewandten und zum Ausland. Ebenso sind hier wesentliche Unterlagen zur Verwaltung der Gemeinen und speziellen Herrschaften zu finden. Das 1936 bezogene museumsartige Bundesbriefarchiv in Schwyz verweist exemplarisch auf die Bundesbriefe, wie sie in anderen Kantonsarchiven auch zu finden sind, mit Ausnahme unter anderem des Bundesbriefes von 1291.
Dem Typus der Archive der 13 Orte vergleichbar sind die Archive der verbündeten Länder Graubünden und Wallis sowie der verburgrechteten Stadt Genf. Graubünden verwahrt auch Bestände des Veltlins vor 1797. Die Archive der nach 1803 gebildeten neuen Kantone beschränken sich ihrerseits keineswegs auf Akten lediglich nach 1798, sondern verfügen in der Regel über bedeutendes Schriftgut ehemaliger Herrschaften, Gerichte, Vogteien, Distrikte etc. bis in das Spätmittelalter zurück.
Bedeutend sind in Kantonsarchiven des romanischen Landesteils die Notariatsbestände seit dem 14. Jahrhundert. Die Staatsarchive der Kantone Aargau und Thurgau hüten ihrerseits umfassende Tagsatzungsbestände; die vor 1798 aussenpolitisch führenden Orte Zürich, Bern und Luzern verfügen über Überlieferungsgut von internationaler Ausstrahlung, ebenso wie beispielsweise Genf mit seinem Archiv des Konsistoriums.
In den Kantonen, wo die Stifte und Klöster im 16. oder im 19. Jahrhundert säkularisiert worden sind, gelangten die entsprechenden Archivkörper mit Urkunden teils bis in karolingische Zeit in die Staatsarchive. Einzelne Archive verfügen zudem über bedeutende Privatarchive, wie das jurassische Archiv, des jüngsten Kantonsarchivs (1979).
Kantonsarchive bewahren nicht nur, sondern öffneten sich nach 1800 auch der historischen Forschung und wurden zu bedeutenden Stätten der Geschichtsforschung. Es waren oft weniger die Hochschulen, als vielmehr die Kantonsarchivare, die sich durch bedeutende Editionen und Beiträge zur Landesgeschichte hervortaten. Auch für die Regierungen in erster Linie wertvoll waren und sind Archivarinnen und Archivare als historische Gewährspersonen.
Solches Herkommen führte dazu, dass die personalarmen Kantonsarchive besonders brüsk mit den seit den 1970er Jahren zunehmend sich stellenden "neuen Herausforderungen" im Archivwesen konfrontiert wurden.
Der Einzug in eigene Zweckbauten weist oft auf zunehmende Identität und Bedeutung der Kantonsarchive hin. Als erstes kam das Archiv von Basel-Stadt in einen speziellen Bau (1899), gefolgt von Bern 1949. Nach Basel-Landschaft (1961), Solothurn (1969), Zürich (1982), Waadt (1985), Zug (1991) und Luzern (1993) werden der Aargau und das Tessin im jubiläumsträchtigen Jahr 1998 zweckgerichtete Neubauteile beziehen können.
last update: 15.08.2005last edited: 15.08.2005
Pfad: VSA > Publikationen > Archivistik Schweiz > Archive in der Schweiz > Sigg, Archive der Kantone
© 2008 VSA