
date/time: 08.09.2005 23:19
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Das im September 1998 lancierte Projekt eines Begriffsverzeichnisses findet mit der vorliegenden Publikation seinen vorläufigen Abschluss. Es entstand unter den Bedingungen der verfügbaren Arbeitskapazitäten und dem Wissen der Mitwirkenden ebenso wie unter den geäusserten Erwartungen aus dem Kreise des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare. Aus dem ursprünglichen Repertorium von Verwaltungsbegriffen für die Archivpraxis in der Schweiz wurde das Verzeichnis nützlicher Begriffe für Schweizer Archive (Deutsch-Französisch/Französisch-Deutsch)[1]. Die Schlagwörter werden doppelspaltig in den beiden Hauptlandessprachen wiedergeben. Die italienische Übersetzung wird hier nicht abgedruckt; sie wird in der elektronischen Version auf der Homepage des VSA zugänglich gemacht werden. Praktische Gründe und Mangel an Mitarbeitern zwangen uns dazu.
Das vorliegende Verzeichnis enthält 2512 Schlagwörter : 194 betreffen das administrative Schriftgut («a»), 218 den Bereich Informatik («i»), 915 die Archivpraxis («p») und 185 die Restauration («r»)
Im Unterschied zu den beiden anderen Schweizer Vereinigungen der Informationswissenschaften bedient sich der VSA nur gelegentlich der Übersetzung beim Informationsaustausch unter seinen Mitgliedern. Er respektiert in der Regel das Territorialitätsprinzip und setzt Verständnis der andern Sprache voraus, was keine einfache Angelegenheit ist. Man stellt immer wieder fest, dass sich Berufskollegen aus sprachlichen Gründen oder wegen kultureller Vorurteile nicht verstehen. Sollen sich deswegen die Archivarinnen und Archivare nach Sprachzugehörigkeit organisieren und auf die nationale Dimension des Vereinslebens verzichten? Dies könnte auf Anhieb geeigneter oder angenehmer empfunden werden, würde der Entwicklung des Berufsverbandes jedoch nur schaden. Berufsausbildung, Archivpraktiken und Dokumentationsansätze rechtfertigen sich nur, wenn sie sich auf einen breiten Konsens, eine « Unité de doctrine» und eine Vision ihrer Mitglieder abstützen können. Heute wo nach universalen Normen und Prinzipien gesucht wird, müssten die Schweizer Archivarinnen und Archivare ihre Situation als Vorteil und Herausforderung betrachten und nicht als Vorwand nehmen, sich gegenseitig zu meiden und sich zu isolieren. Sie müssen ihre Erfahrungen weitergeben können und jeden Individualismus bekämpfen. Die Schweizer Archivarinnen und Archivare übernehmen viel von den Nachbarländern. Warum sollten sie ihre Stärke nicht auch aus ihrem multikulturellen und föderativen Staatssystem schöpfen?
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Initiative zur Erstellung des vorliegenden Verzeichnisses von Vertretern der welschen und italienischen Schweiz ausging. Als Vertreter von Sprachminderheiten in der Schweiz möchten sie sich nicht ins Abseits stellen; sie empfinden vielmehr das Bedürfnis, sich nicht nur im eigenen Sprachgebiet, sondern auch in einem breiteren Umfeld zu entfalten. Der Schweizer Archivarenstand muss sich der Sprachenvielfalt im eigenen Land bewusst sein und diese nicht mit einer vierten oder fünften Sprache noch vergrössern. Man muss sich die verschiedenen Sprachen zunutze machen, sie miteinander in Kontakt bringen, den andern nicht ausschliessen. Es ist unbedingt zu vermeiden, dass die am meisten gesprochene Sprache zur nationalen Verständigung aufgezwungen wird, sei es nun Deutsch oder Englisch.
Das Verzeichnis ist vor allem ein Arbeitsinstrument für die Schweizer Archivarinnen und Archivare; es widerspiegelt aber auch die Vielfalt der Beziehungen zwischen den Mitgliedern des VSA.
Mit der Schaffung dieses Verzeichnisses haben sich dessen Initianten klar zur nationalen Identität entschieden, die auch innerhalb des VSA den Vorrang hat. Mit Freude und Genugtuung stellen sie fest, dass der Vorstand des VSA ihre Initiative unterstützt hat. Zudem konnten sie zu Beginn des Projekts auf die aktive Mithilfe des Bundesarchivs und der Kantonsarchive zählen, die ihnen ihre Registraturpläne, Aufbewahrungskalender und verschiedene andere Unterlagen zukommen liessen. Nebenbei sei vermerkt, dass keine der genannten Institutionen über ein eigenes zweisprachiges Begriffsverzeichnis verfügt.
Die Arbeitsgruppe ist sich der Mängel des vorliegenden Verzeichnisses wohl bewusst. Sie hofft aber, dass ihre Initiative weitere Projekte anregen wird, die den Austausch unter Archivarinnen und Archivaren fördern werden.
Hans-Robert Ammann (Staatsarchiv Wallis); Nicolas Barras (Staatsarchiv Bern); Cristina Bianchi (Olympisches Komitee, Lausanne); Gilbert Coutaz, Präsident der Gruppe (Kantonsarchiv Waadt); Rodolfo Huber (Stadtarchiv Locarno); Evelyne Lüthi-Graf (Stadtarchiv Montreux); Albert Pfiffner (Historisches Archiv Nestlé); Roswitha Rahmy (alt Archivarin des CERN) und Eveline Seewer (Staatsarchiv Freiburg).
Anfänglich zählte das Verzeichnis mehr als 5000 Begriffe. Dabei war Deutsch die Ausgangssprache. Nach reiflicher Überlegung hat sich die Arbeitsgruppe für eine Begriffsliste mit Angabe des jeweiligen Fachbereichs entschieden (Liste mit Begriffen zu Verwaltungsquellen, Informatik, Archivpraxis und Restauration). Sie hat es für nützlich erachtet, mehrere Gruppen mit unterschiedlichem Bildungsstand anzusprechen. So gehören einige berücksichtigte Wörter zum Basiswortschatz, die in jedem Wörterbuch gefunden werden können. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich bewusst auf die Übersetzung, Worterklärungen können später folgen.
Abkürzungen und Sigel wurden nicht berücksichtigt. Das gleiche gilt für Verwaltungsstrukturen, die einen Zuständigkeitsbereich, nicht aber das Produkt dieser Zuständigkeit ausdrücken.
Das deutsche Wort steht immer im Singular mit Angabe des Geschlechts. Für die französischen Wörter wird im allgemeinen nur das Geschlecht angegeben.
Es hat ebenso viele Linien wie Wörter, um einen Begriff zu übersetzen. Ein Wort kann je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben.
Zusammengesetzte Wörter, die im Deutschen sehr häufig sind, wurden wenn immer möglich zugunsten von Grundbegriffen ausgeschieden.
Mehrere Wörter können verschieden interpretiert werden, je nachdem ob sie sich auf Gemeinde, Kanton oder Bund beziehen. Die Gemeindeebene wurde meistens bevorzugt, da solche Begriffe leicht auf Kantons- und Bundesebene übertragbar sind.
Vor der Drucklegung wurde das Verzeichnis zwischen September und Dezember 2001 den Mitgliedern des VSA in elektronischer Form auf der vereinseigenen Homepage zugänglich gemacht, um eventuelle Ergänzungen und Korrekturen zu erlangen. Siehe Arbido, 9/2001, S. 33-35
last edited: 08.09.2005
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